Ganselkonrads neues Bild

   

Quelle: Förderkreis Ganselkonrad, 07/2010

     
   

Nach achtjähriger schöpferischer Pause hat Konrad Gansel (der Ganselkonrad) wieder ein Bild gemalt. Im Rahmen einer Ein-Personen-Vernissage präsentiert der scheue Künstler sein Werk Lex Kosmos.

„Bin gespannt, wie du es findest“, sagt Konrad. „Das Bild hat eine rechte und eine linke Seite, ein Oben und ein Unten. Rechts im Mittelgrund hängt an einem Holzgestell ein Kochkessel, wie ihn üblicherweise Kannibalen verwenden. Der Kessel ist schmiedeeisern mit nach außen gebogener Randlippe und erinnert an einen Stahlhelm aus dem zwanzigsten Jahrhundert. Im Kessel mit blubbernder Brühe aus froschigem Grün sitzt ein Mann. Man sieht nur seinen Kopf. Der Gesichtsausdruck ist naiv, als könne er die Umstände nicht deuten. Er trägt einen Oberlippenbart und eine haarlose Frisur.“

Kosmos sieht auf Konrads Oberlippenbart und Glatze und nickt.

„Das Holzgestell bilden zwei Stangen rechts und links. Sie haben Gabeln oben und unten. In den oberen Gabeln liegt eine Eisenstange, woran der Kessel an drei Ketten hängt. Unter dem Kessel lodert ein Holzfeuer, dabei sind die unteren heißeren Flammen naturgemäß bläulich weiß, die oberen orangerot.“

„Natürlich“, sagt Kosmos.

"Links und rechts neben dem Holzgestell stehen zwei Afrikaner mit aufgerichteten Speeren, kriegerischer Haltung und finster entschlossenem Blick.“

„Weiße Afrikaner, Südafrikaner?“, unterbricht Kosmos.

„Nein, schwarze Afrikaner, wie sie Herge in seinem Kongoband oder Yves Chaland in seinem „Elefantenfriedhof“ gezeichnet hat. Mehr heart-of-darkness-mäßig. Die Herausforderung, der gestalterische challenge ist nun, das heart-of-darkness-Mäßige mit gegenwärtigen political-correctness-Ansprüchen in einer Symbiose zusammenzubringen.“ Kosmos nickt. „So steht dieses Kannibalenarrangement im Mittelgrund rechts mit leicht verdrehtem Winkel.“

Der Ganselkonrad holt tief Luft. Auf der linken Bildseite fast im Vordergrund liegt selbstbewusst eine Frau in offenherziger Badebekleidung in einem Liegestuhl. Es ist ein stoffbespannter Klappliegestuhl mit grünen und roten Streifen, wie man sie in den 50er, frühen 60er Jahren kannte, bevor die Aluminiumrohrgestelle mit Plastikflechtwerk aufkamen. Die Frau trägt einen Strohhut mit modischem Band. Rotblondes Lockenhaar ergießt sich auf ihre hellen Schultern. Die Augen der Schönen verdeckt eine Sonnenbrille. Ihre verschmitzt nach oben geschwungenen vollen Lippen lassen ein fröhliches Wesen vermuten.“

„Könnte die Irmi Zwinger sein“, sagt Kosmos.

Konrad zuckt. „Könnte sein, aber die Ähnlichkeit wäre rein zufällig. In ihrem Schoß hält sie aufgeschlagen ein Kochbuch. Als Titel kann man lesen: ‚Gerichte Leicht Gemacht’. Die Frau sieht über ihr Buch hinweg zu dem Mann im Kessel.“

„‚Gerichte Leicht Gemacht’. Ist das doppeldeutig?“

Konrad lächelt gequält und fährt fort: „Hinter der Frau im Liegestuhl und dem eingekesselten Mann steht eine Wand aus Urwald. Oder wie man sich einen Urwald vorstellt, wenn man noch in keinem war. Ein Gebilde, wie es zum Beispiel der Zöllner gemalt hat.“

„Der Zöllner?“

„Henri Rousseau“, wirft Konrad hin mit vernehmbarem Tadel. „Wilde Tiere und bunte Vögel schauen aus Schlingpflanzen und Buschwerk heraus. Man sieht auch Affen mit Kokosnüssen, die zum Wurf auf den Mann im Kessel ansetzen. Im rechten Bildvordergrund schließlich Halme, Gräser, grünes Gestöber als schmückendes Beiwerk, um von der zentralen Dramatik in der Bildmitte nicht abzulenken.“

„Spektakulär. Und wo ist nun dein neues Bild?“

„Du bist vorhin direkt daran vorbeigegangen. Es hängt draußen an der Scheune. In meinem Kopf ist es völlig ausgearbeitet. Hast du es nicht gesehen? Nur am Vordergrund spiele ich noch herum.

   

 

   

Gerichte Leicht Gemacht
[Ganselkonrads neues Bild, #10808]


   

 

   


Hinweis:

Charaktere, Handlung, Dialog, Bilddarstellung und Buchtitel sind erfunden. Man könnte auch formulieren: „Charaktere, Handlung, Dialog, Bilddarstellung und Buchtitel sind frei erfunden“, wüsste man, was „unfrei erfunden“ bedeutete.

Somit sind Ähnlichkeiten mit lebenden Personen, geführten Dialogen, gemalten Bildern sowie erschienen Büchern Zufall und nicht beabsichtigt.


   

Was soll das sein/Soll das was sein.
Es kann was sein für die, die sehen, was es sein soll.

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